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Promotion, akademische Stellen
22.05.2006
von Thomas Graf und Curtis Klaus

Bachelor und Master

Die neue Zeit hat längst begonnen

Einen einheitlichen Hochschul- und Forschungsraum in Europa schaffen – das war das erklärte Ziel der Bologna-Konferenz von 1999. 30 europäische Staaten einigten sich damals auf Maßnahmen für europaweit vergleichbare Studienabschlüsse. Damit wollten die Staaten die internationale Mobilität von Studierenden und Lehrenden fördern und kürzere Studienzeiten ermöglichen.

Ein hehres Ziel, das seitdem zu vielen Diskussionen in Bildung und Wirtschaft, nicht zuletzt auch unter Studierenden, geführt hat. Was also steckt hinter Bachelor und Master?

Ein Titel mit Tradition und mit Zukunft
Das Wort "Bachelor" kommt vom lateinischen "Baccalaureus" und war schon im Mittelalter die Bezeichnung für den untersten akademischen Grad einer Lehranstalt. In Großbritannien und in den USA ist dieser Titel seit jeher der erste akademische Abschluss. So wird es nun bis 2010 nach und nach auch in Deutschland kommen. Dem deutschen Bildungssystem ist der Bachelor im Grunde genommen wesensfremd, gilt doch an deutschen Universitäten seit etwa 200 Jahren das humanistische Bildungsideal von Wilhelm von Humboldt, nach dem Bildung immer auch einen persönlichkeitsbildenden Charakter besitzt.

Modell drei plus zwei
Diplom und Magister dauern heute in der Regel fünf Jahre. Der eher praktisch ausgerichtete Bachelor dauert um die drei Jahre. Danach können Studierende sich entweder direkt um einen Master bewerben oder erst einmal Berufserfahrung sammeln. Der Master ist akademisch ausgelegt und dauert etwa zwei Jahre (siehe Grafik).

Quelle: Netzwerk "Wege ins Studium"

Bachelors und Masters sprießen
In den letzten Jahrzehnten wurden die Universitäten in Deutschland ziemlich vernachlässigt. Das Bildungssystem ist erstarrt und ineffektiv. Die allgemeine Studiendauer verlängerte sich dadurch und viele Studieninhalte wirken veraltet und praxisfern. Angesichts der internationalen Konkurrenz versuchen Bildungspolitiker und Universitäten daher, möglichst schnell die neuen Studiengänge "Bachelor" und "Master" einzuführen. Der Bachelor wird zum Regelabschluss. Viele Studierende werden fortan schon nach drei Jahren in den Arbeitsmarkt entlassen.

Überblick über das neue Studiensystem
Bis 2010 wollen alle Teilnehmerländer der Bologna-Konferenz gestufte Studiengänge nach dem Bachelor/Master-Modell einführen. Bachelor und Master sind weltweit üblich: von Indien und Südafrika (Commonwealth) über Australien und Nordamerika bis nach Südostasien (Malaysia, Thailand, Indonesien), China, Japan und Korea - und seit der Öffnung des eisernen Vorhangs auch in ganz Osteuropa. Deutsche Studierende sollen damit leichter ins Ausland und ausländische Studierende zum Master-Studium nach Deutschland wechseln können.

  • Modularisierung
    Die Studiengänge sollen künftig in einzelne Lerneinheiten unterteilt werden. Dazu fassen Hochschulen mehrere Lehrveranstaltungen, die inhaltlich nahe stehen, zu einem Modul zusammen. Das BWL-Studium könnte zum Beispiel das Modul Marketing enthalten, das wiederum die Lehrveranstaltungen Marketing I und II sowie ein Praktikum enthält. Im Laufe des Studiums absolvieren die Studierenden anstatt einer Abschlussprüfung jährlich Prüfungen für die einzelnen Module. Der Vorteil: Wirklich alle erbrachten Leistungen im Studium zählen auch für den Abschluss.

  • Leistungspunkte und Abschlussprüfungen für jeden Kurs
    Jede Lehrveranstaltung schließt mit einer Abschlussprüfung ab. Für die gibt es dann eine bestimmte Zahl von so genannten "Credits" (Kreditpunkten). 180 von diesen Pünktchen kann man im Verlauf eines Studiums sammeln. Bei drei Jahren Studiendauer macht das im Durchschnitt 30 Credits pro Semester. Die Credits unterliegen dem "European Credit Transfer System" (ECTS). Bei einem Hochschulwechsel kann man aufgrund der Leistungspunkte nachweisen, wie fortgeschritten man im Studium ist.

  • Diploma Supplement
    Zusätzlich zur Bachelor-Urkunde mit der Auflistung der Noten wird es ein so genanntes "Diploma Supplement" geben. Es ist eine international kompatible Auflistung aller Studienleistungen und besuchten Module eines Absolventen in englischer Sprache. Arbeitgeber können so sich auf Anhieb ein konkretes Bild vom Bewerber machen.

  • Weiterqualifizierung mit einem Master
    Nach Abschluss eines Bachelors gibt es die Möglichkeit, entweder gleich in den Beruf einzusteigen oder sich um einen Master zu bemühen. Der Master ist eine weiterführende zweijährige Spezialisierung. Auch nach einigen Jahren Berufserfahrung ist es möglich, sich für einen Master-Abschluss zu bewerben. Ein Master ist spezialisiert und weniger breit angelegt als ein Diplom oder Magister-Studium. Doch Vorsicht: Ein Bachelor bedeutet nicht automatisch das Recht auf einen Master. Im Gegenteil: Es sind im Moment noch nicht genügend Master-Studienplätze für Bachelor vorhanden. Daher gibt es Auswahlverfahren für Master-Programme.
    Sehr gute Bachelor-Absolventen sollen auch ohne Master promovieren können. Die realistische Umsetzung dieses Vorhabens ist allerdings noch offen. Kritiker pochen darauf, dass man vorher noch einen Master absolvieren muss, damit die akademische Qualität eines Doktortitels gewahrt bleibt.

    Ausbildung flexibel selbst gestalten
    Studierende sollen ihren Ausbildungsweg flexibler gestalten können: nach dem Bachelor direkt in den Beruf, direkt ins Master-Studium oder nach einigen Berufsjahren zurück an die Uni zum Master-Studium. Auch in der Studienkombination soll es neue Spielräume geben: Denn der Master kann grundsätzlich auch in einem anderen Fach erworben werden als der Bachelor. Für viele Master-Programme werden allerdings Aufnahmeprüfungen geschaffen oder gute Noten beim Bachelor verlangt. Auch Studiengebühren wird es für den Master geben.

    Der Stand der Umsetzung
    Die deutschen Hochschulen führen derzeit fleißig Bachelor- und Master-Studiengänge ein - als neuen Studiengang oder indem sie einen bestehenden Diplom- oder Magister-Studiengang umwandeln. Bereits über ein Drittel aller Studiengänge sind bereits umgestellt (Stand: Mai 2006). Und die Akkreditierung boomt: Über ein Viertel aller Bachelor und Master-Studiengänge wurden akkreditiert.

    Staatsexamens-Studiengänge
    Lange hingezogen hat sich die Entscheidung über das weitere Verfahren bei den Staatsexamens-Studiengängen. Arbeitsgruppen der Kulturministerkonferenz (KMK) diskutierten, wie Studiengänge auf Lehramt, Jura und Medizin in ein Bachelor/Master-System umgewandelt werden können. Beim Lehramt ist man schon am weitesten: Mehrere Universitäten, darunter Bochum, Bielefeld und Greifswald, führen Modellversuche durch. Die Universität Erfurt hat das Lehramtsstudium bereits in ein zweistufiges Studium umgewandelt, verwendet aber die Bezeichnungen Baccalaureus und Magister. Ähnliches geschah auch in Brandenburg. Sicher ist: Wer Lehrer werden möchte, muss nach dem Bachelorabschluss den "Lehrermaster" erwerben.

    Juristen bleiben beim Staatsexamen - erstmal
    Im Herbst 2005 hatte sich die Justizminsterkonferenz mit der Reform des Jura-Studiums befasst. Fazit: Die Bologna-Reform sei "derzeit nicht sinnvoll". Das Problem wurde an einen Ausschuss verwiesen, um die weitere Entwicklung zu beobachten. Als gesichert gilt, dass allein mit dem Bachelor auch nach einer etwaigen Umstellung kein Referendarsplatz zu haben ist. Vertiefte Rechtskenntnisse erfordern eine Spezialisierung, so die Begründung - und die sei in drei Jahren nicht möglich. Ausnahme: Wo das Jurastudium nicht auf spezifisch juristische Berufe vorbereitet, können konsekutive Studiengänge sinnvoll sein. In Erlangen und Greifswald gibt es bereits entsprechende Angebote.


    Cover des Buches
    Einen guten Überblick zu den Besonder- heiten der neuen Studiengänge bietet das Buch "Dein Weg zum Bachelor - Vom Studienwunsch zur Abschlussarbeit" von Tobias Bröning. Der erste Teil fasst die Unterschiede zwischen Bachelor und Diplom verständlich zusammen und geht auch auf die Berufsaussichten ein. Allerdings kommt zu kurz, dass diese je nach Fach sehr verschieden sind. Den zweiten Teil des Buches bilden eine solide Einführung in das wissenschaftliche Arbeiten und eine schrittweise Anleitung zum Schreiben einer Bachelor-Abschlussarbeit. Auch das liest sich gut, jedoch rät der Autor zum Teil etwas zu stark, bei der Abschlussarbeit pragmatisch vorzugehen. Zumindest Bachelor, die in die Wissenschaft wollen, sollten aber schon bei der Abschlussarbeit durch Kreativität glänzen.

    Bröning, Tobias: Dein Weg zum Bachelor - Vom Studienwunsch zur Abschlussarbeit
    uni-edition 2005, Berlin, 140 Seiten. 14,90 Euro.
    ISBN 3937151273
    Zur Bestellung bei buecher.de >>

    Master nach Plan - von Nicolaus Heinen und Sebastian Horndasch
    "Aus der Praxis für die Praxis" ist das Motto des Buches "Master nach Plan", das von zwei Studenten als Hilfe für andere Studenten geschrieben wurde.

    Nicolaus Heinen, Sebastian Horndasch: Master nach Plan - Strategien für Auswahl, Bewerbung und Finanzierung des Studiums.
    wbv, Bielefeld 2007, 207 Seiten mit CD-Rom, 16 Euro.
    ISBN 978-3-7639-3502-4

    Die Rezension dieses Buches findest du hier.
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